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Wer diagnostiziert Prosopagnosie?

Es gibt keine einzelne Fachrichtung, die pauschal für Prosopagnosie zuständig wäre. Je nachdem, wie die Schwierigkeiten begonnen haben und welche Angebote vor Ort bestehen, kommen die Neurologie, die Neurochirurgie oder eine Sprechstunde für höhere Hirnfunktionen als Anlaufstelle in Frage.

Beginnen Sie mit der Frage, seit wann die Schwierigkeiten bestehen

Wenn die Schwierigkeiten plötzlich oder nach einem Schlaganfall oder einer Kopfverletzung begonnen haben, sind eine Notaufnahme, die Neurologie oder die Neurochirurgie sinnvolle Anlaufstellen. Bestehen sie durchgängig seit der Kindheit, kommen die Neurologie oder Spezialsprechstunden für Neuropsychologie und höhere Hirnfunktionen in Betracht. Geht es um Schwierigkeiten im Alltag oder in der Schule eines Kindes, ist es ein gängiger Weg, sich zunächst an die Kinderheilkunde oder eine Beratungsstelle für Entwicklungsfragen zu wenden, die bei Bedarf an eine Fachstelle weiterverweisen kann.

Rufen Sie vor dem Termin an

Nicht jede Einrichtung mit derselben Fachbezeichnung bietet auch neuropsychologische Tests zur Gesichtserkennung an. Sagen Sie beim Anruf deutlich, dass Ihnen das Erkennen von Gesichtern schwerfällt und Sie eine Abklärung auf Prosopagnosie besprechen möchten, und fragen Sie nach der behandelten Altersgruppe, danach, ob eine Überweisung nötig ist, und ob entsprechende Untersuchungen möglich sind.

Wie eine Abklärung abläuft

Für die entwicklungsbedingte Prosopagnosie gibt es bislang keine weltweit einheitlichen, eigenständigen Diagnosekriterien. In der Regel werden im Gespräch die Schwierigkeiten im Alltag und der Verlauf erhoben und mit Aufgaben zum Gesichtsgedächtnis und zur Gesichtsunterscheidung sowie mit Tests zum Erkennen bekannter Gesichter kombiniert. Je nach Fall werden zusätzlich Sehschärfe, allgemeines Gedächtnis, Objekterkennung und Bildgebung des Gehirns geprüft.

Am Anfang steht dabei meist die Vorgeschichte: seit wann und in welchen Situationen Schwierigkeiten auftreten. Darauf aufbauend werden Fragebögen zu alltäglichen Schwierigkeiten wie der PI20, Aufgaben zum Gesichtsgedächtnis wie der Cambridge Face Memory Test (CFMT) und Verfahren zur Beurteilung bekannter und unbekannter Gesichter, wie sie etwa im VPTA enthalten sind, miteinander kombiniert, um zu prüfen, ob sich die Beobachtungen nicht auch durch andere Störungen der visuellen Wahrnehmung oder des Gedächtnisses erklären lassen.

Der PI20 ist kein diagnostischer Test

Der PI20 ist eine Selbstauskunftsskala mit 20 Items, die Ihnen hilft, Ihre alltäglichen Erfahrungen mit der Gesichtserkennung zu ordnen. Allein aus der Punktzahl lässt sich jedoch keine Diagnose ableiten, denn bei manchen Menschen stimmen Selbsteinschätzung und objektive Leistung in der Gesichtserkennung nicht überein.

Auch der Selbsttest von The Name Mnemonic Research Institute ist keine medizinische Beurteilung darüber, ob Sie ärztliche Hilfe brauchen. Nutzen Sie das Ergebnis vielmehr zusammen mit Notizen zu konkreten Situationen, in denen es schwierig war, zum Zeitpunkt des Beginns und zu den Hinweisen, auf die Sie sich stützen.

Anhaltspunkte für die Suche nach einer Anlaufstelle

Eine Möglichkeit ist, mit Begriffen wie „höhere Hirnfunktionsstörung", „neuropsychologische Untersuchung" oder „Sprechstunde für kognitive Funktionen" nach Einrichtungen in der Region zu suchen. In Japan veröffentlicht das National Rehabilitation Center for Persons with Disabilities zudem eine nach Präfekturen geordnete Liste von Beratungsstellen für höhere Hirnfunktionsstörungen. Ob eine Stelle auch die entwicklungsbedingte Prosopagnosie abdeckt, muss allerdings jeweils einzeln erfragt werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    Susilo & Duchaine (2016) — Developmental prosopagnosia diagnosis review

    Ein Überblick über die Definition der entwicklungsbedingten Prosopagnosie und offene Fragen der Diagnostik.

  2. 02
    Oishi et al. (2024) — Die Rolle des PI20 bei der Beurteilung der entwicklungsbedingten Prosopagnosie

    Untersucht einen Beurteilungsansatz, der PI20, VPTA und CFMT miteinander verbindet.

  3. 03
    National Rehabilitation Center for Persons with Disabilities — Liste der Beratungsstellen

    Ein Verzeichnis japanischer Unterstützungszentren und Beratungsstellen für höhere Hirnfunktionsstörungen nach Präfekturen.

  4. 04
    NHO Tokyo Hospital — Neurologie und Spezialsprechstunde für höhere Hirnfunktionsstörungen

    Ein Beispiel für den Zugangsweg zu einer Spezialsprechstunde in Japan.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.