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Umgang mit Prosopagnosie

Ziel im Umgang mit Prosopagnosie ist nicht, sich Gesichter mit Anstrengung einzuprägen, sondern Verwechslungen und Unsicherheit zu verringern – über Anhaltspunkte jenseits des Gesichts und über Anpassungen im Umfeld. Wählen Sie, was zu Ihnen passt, und teilen Sie davon so viel, wie Sie möchten.

Strategien, die Betroffene selbst nutzen können

Ein Ansatz besteht darin, mehrere Merkmale zu kombinieren – Stimme, Sprechweise, Gang, Frisur, Brille, mitgeführte Gegenstände –, um Menschen auseinanderzuhalten. Bei Verabredungen hilft es, Kleidung und Treffpunkt vorher abzusprechen; in den Kontakten kann eine Notiz zum Ort der Begegnung oder ein Foto (mit Einverständnis der betreffenden Person) nützlich sein. Auch Sitzpläne, Teilnehmerlisten und die angezeigten Namen in Videokonferenzen sind hilfreich, ebenso eine vorbereitete Formulierung für Momente, in denen Sie unsicher sind, wer vor Ihnen steht.

Beispiele, wie Sie nachfragen können

„Ich kann Gesichter nur schwer auseinanderhalten – dürfte ich noch einmal nach Ihrem Namen fragen?" oder „Es würde mir helfen, wenn Sie sich beim nächsten Mal kurz mit Namen vorstellen." Wenn Sie konkret sagen, welche Unterstützung Sie brauchen, entstehen weniger Missverständnisse.

Was Arbeitgeber tun können

Es hilft, Namensschilder, Sitzpläne sowie Profilfotos mit Namen in Chat-Programmen einheitlich zu verwenden und Personen bei der ersten Begegnung oder nach einem Zuständigkeitswechsel ausdrücklich mit Namen und Rolle vorzustellen. Aufgaben, die die Gesichtserkennung stark beanspruchen – etwa Empfangsdienst oder große Netzwerkveranstaltungen –, lassen sich anpassen; bei Anlässen mit ungewohnter Kleidung oder bei Treffen außerhalb des Büros sollten Ort und Erkennungsmerkmale klar benannt werden. Wichtig ist außerdem, einen ausgebliebenen Gruß nicht vorschnell als Desinteresse oder Unhöflichkeit zu deuten.

Was schwerfällt und welche Unterstützung hilft, ist von Person zu Person verschieden. Statt generell die Offenlegung einer Diagnose zu verlangen, ist es sinnvoller, gemeinsam mit der betroffenen Person zu klären, welche Situationen im Arbeitsalltag schwierig sind und was sie erleichtern würde.

Was Schulen tun können

Lehrkräfte können beim Ansprechen ihren eigenen Namen nennen und für verlässliche Anhaltspunkte sorgen: Namensschilder, feste Sitzplätze oder Klassenlisten mit Fotos. Nach einem Klassen- oder Sitzwechsel sowie bei Veranstaltungen sollte Zeit eingeplant werden, um zu klären, wer wer ist; Gruppeneinteilungen sollten auch über Namen angesagt werden, damit sich niemand allein am Gesicht orientieren muss. Wie das Thema erklärt wird und wie weit es geteilt werden darf, sollte vorher mit der betroffenen Person abgesprochen werden.

Wie Familie und Freunde unterstützen können

In Menschenmengen oder an ungewohnten Orten hilft es, aus der Nähe anzusprechen und dabei den eigenen Namen zu nennen. Verzichten Sie auf Vorwürfe wie „Wieso erkennst du mich denn nicht?" und sagen Sie vorher Bescheid, wenn sich Frisur oder Kleidung verändert haben. Beim Vorstellen erleichtert etwas Kontext die Zuordnung, etwa: „Das ist Frau Müller, ihr habt euch damals bei der Tagung getroffen."

Respektieren Sie die Ausgleichsstrategien, die die betroffene Person bereits nutzt, und achten Sie beim Umgang mit Fotos oder Notizen zu Personen auf Privatsphäre und Einverständnis. Unterstützung bedeutet nicht, stellvertretend alle Entscheidungen zu treffen, sondern dafür zu sorgen, dass die nötigen Anhaltspunkte verfügbar sind.

Es gibt keine Methode, die für alles taugt

Frisur und Kleidung verändern sich – wer sich nur auf ein einzelnes Merkmal verlässt, verwechselt Menschen. Wichtiger als der eine perfekte Trick ist, mehrere Anhaltspunkte zu kombinieren – Stimme und Ort, Rolle und mitgeführte Gegenstände – und Beziehungen und Abläufe zu schaffen, in denen man ohne Peinlichkeit noch einmal nachfragen kann, wenn man danebenliegt.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    NHS — Face blindness (prosopagnosia)

    Praktische Strategien mit Stimme, Gang, Namensschildern und ähnlichen Anhaltspunkten.

  2. 02
    Yardley et al. (2008) — Psychosocial consequences of developmental prosopagnosia

    Untersucht die Auswirkungen auf Sozialleben, Beziehungen und Ängste.

  3. 03
    Dalrymple et al. (2014) — Developmental prosopagnosia in childhood

    Behandelt die Alltagsschwierigkeiten von Kindern und Überlegungen zur Unterstützung.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.