CFMT – eine Aufgabe zur Messung des Gesichtsgedächtnisses
Der CFMT (Cambridge Face Memory Test) ist ein leistungsbasiertes Verfahren, das prüft, wie gut sich jemand zuvor gezeigte Gesichter merken kann. Er ist so aufgebaut, dass nach dem Einprägen einer Reihe von Gesichtern dieselbe Person aus Fotos herausgesucht werden muss, die in unterschiedlichen Blickwinkeln oder Lichtverhältnissen aufgenommen wurden – aus der Trefferquote ergibt sich ein Zahlenwert für Gesichtsgedächtnis und Gesichtserkennung.
Ein bemerkenswertes Merkmal des CFMT ist, dass er die tatsächliche Leistung der Gesichtserkennung objektiv messen kann, ohne auf Selbstauskunft angewiesen zu sein. In Forschung und klinischer Beurteilung wird er unter anderem eingesetzt, um die Gesichtsgedächtnisleistung von Personen mit Verdacht auf eine entwicklungsbedingte Prosopagnosie mit dem Durchschnitt zu vergleichen.
PI20 und PI20-J – Fragebögen zu Schwierigkeiten im Alltag
Der PI20 (20-item Prosopagnosia Index) ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen mit 20 Items, den Shah und Kolleginnen und Kollegen 2015 veröffentlicht haben. Er erfasst anhand der eigenen Antworten der befragten Person in Zahlen, wie viel Mühe ihr die Gesichtserkennung im Alltag bereitet – etwa „Es fällt mir schwer, eine bekannte Person zu erkennen, wenn ich sie zufällig auf der Straße sehe“ oder „Ich verwechsle häufig Figuren in Filmen“.
Eine japanischsprachige Fassung, der PI20-J (japanische Fassung des 20-item Prosopagnosia Index), wurde 2020 von Nakashima und Kolleginnen und Kollegen veröffentlicht. Sie entstand, indem die Items der Originalfassung für japanische Muttersprachlerinnen und Muttersprachler übersetzt und validiert wurden, und wird auch in der Forschung und Beurteilung innerhalb Japans eingesetzt. Sowohl der PI20 als auch der PI20-J sind Fragebögen, die die subjektiv erlebten Schwierigkeiten ordnen – sie messen nicht unmittelbar die objektive Leistung, wie der CFMT es tut.
Diese Verfahren allein können keine Prosopagnosie feststellen
Der CFMT und der PI20 bzw. PI20-J sind Instrumente unterschiedlicher Art. Der CFMT misst die objektive Leistung des Gesichtsgedächtnisses, der PI20 bzw. PI20-J das Ausmaß der Schwierigkeiten, die einer Person selbst bewusst sind. Doch keines der beiden Verfahren sichert für sich genommen eine Diagnose der Prosopagnosie.
Die Forschung hat darauf hingewiesen, dass die selbstberichteten Werte in Instrumenten wie dem PI20 nicht immer mit der objektiven Leistung in Verfahren wie dem CFMT übereinstimmen. Jemand kann im Alltag starke Schwierigkeiten empfinden und objektiv dennoch im Durchschnittsbereich liegen – oder umgekehrt schlecht abschneiden, ohne sich dessen sonderlich bewusst zu sein. Deshalb stützt sich die Beurteilung einer Prosopagnosie in der Regel auf mehrere solcher Verfahren und Fragebögen, ergänzt um ein Anamnesegespräch dazu, seit wann und in welchen Situationen die Schwierigkeiten auftreten, um zu einer Gesamteinschätzung zu gelangen.
Ergebnisse aus Selbsttest und Testverfahren sind Material für ein Gespräch
Quellen und weiterführende Literatur
Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.
- 01Shah et al. (2015) — The 20-item prosopagnosia index (PI20)
Die Originalarbeit zur Entwicklung und Validität des PI20 (Royal Society Open Science).
- 02Nakashima et al. (2020) — Entwicklung der japanischen Fassung des 20-item Prosopagnosia Index (PI20-J)
Eine Arbeit (Japanese Journal of Psychology) über Entwicklung und Validierung des PI20-J, der japanischsprachigen Fassung des PI20.
- 03Faceblind.org — About prosopagnosia
Ein Portal, das Verfahren zur Gesichtserkennung wie den CFMT und ihren Einsatz in der Beurteilung vorstellt.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.