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Angeboren oder plötzlich? Die zwei Formen der Prosopagnosie

Die Prosopagnosie wird grob in zwei Formen unterteilt, je nachdem, seit wann sie besteht. Ist die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, eines Tages plötzlich verloren gegangen, oder war es schon immer so, solange man denken kann? Ob es einen erkennbaren Auslöser gibt, ist ein wichtiger Hinweis, wenn es um die zugrunde liegende Ursache geht.

Erworbene Prosopagnosie – wenn Gesichter ab einem bestimmten Tag fremd werden

Von einer erworbenen Prosopagnosie spricht man, wenn Menschen, die Gesichter zuvor problemlos erkennen konnten, nach einem Schlaganfall, einer Kopfverletzung, einem Hirntumor, einer Gehirnentzündung oder einem ähnlichen Ereignis Schwierigkeiten damit bekommen. Da der Beginn der zugrunde liegenden Erkrankung oder Verletzung meist klar bestimmbar ist, bemerken sowohl die Betroffenen selbst als auch ihr Umfeld die Veränderung in der Regel recht deutlich.

Man nimmt an, dass daran ein Areal beteiligt ist, das den Gyrus fusiformis im Schläfenlappen einschließt – eine Region an der Innenseite des Gehirns, etwa unterhalb der Ohren, der eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung des Gesichts als Ganzem zugeschrieben wird. Ist dieses Areal geschädigt, können die einzelnen Merkmale – Augen, Nase, Mund – zwar weiterhin deutlich gesehen werden, doch die Verbindung zu der Frage, „wessen Gesicht" das ist, kann verloren gehen.

Wenn die Gesichtserkennung plötzlich aussetzt

Wenn Sie Gesichter, die Sie zuvor problemlos erkannt haben, plötzlich nicht mehr zuordnen können – insbesondere zusammen mit Sprachschwierigkeiten, Taubheitsgefühl oder Schwäche in einer Körperhälfte oder heftigen Kopfschmerzen –, kann dahinter ein Schlaganfall oder ein ähnliches Ereignis stehen. Ziehen Sie bitte umgehend ärztliche Hilfe oder den Notruf in Betracht.

Angeborene Prosopagnosie – lebenslange Schwierigkeiten beim Erkennen von Gesichtern

Die entwicklungsbedingte Prosopagnosie besteht ohne erkennbaren auslösenden Unfall und ohne auslösende Erkrankung seit früher Kindheit durchgehend. Es wird vermutet, dass entwicklungsbedingte oder genetische Faktoren eine Rolle spielen, und es sind Fälle berichtet worden, in denen ähnliche Schwierigkeiten familiär gehäuft auftreten; die Ursachen sind jedoch nicht vollständig geklärt.

Für Betroffene fühlt es sich seit jeher „normal" an, sich Gesichter schlecht merken zu können – viele bemerken erst im Erwachsenenalter, dass ihre Schwierigkeiten ungewöhnlich sind. Wann der Unterschied auffällt, ist verschieden: manchmal, wenn sich mit Schulwechsel oder Berufseinstieg die Zahl neuer Kontakte schlagartig erhöht, manchmal, wenn Familienangehörige oder Freunde darauf hinweisen.

Warum die Unterscheidung wichtig ist

Erworbene und entwicklungsbedingte Prosopagnosie werden getrennt betrachtet, weil die zugrunde liegenden Ursachen und das sinnvolle Vorgehen sich unterscheiden. Bei der erworbenen Form hat häufig die medizinische Behandlung der auslösenden Hirnerkrankung oder -verletzung Vorrang. Bei der entwicklungsbedingten Form geht es weniger darum, eine zugrunde liegende Erkrankung zu behandeln, als vielmehr darum, Alltagsschwierigkeiten zu verringern, indem Anhaltspunkte jenseits des Gesichts genutzt werden.

Allerdings unterscheiden sich innerhalb beider Formen die schwierigen Situationen und der Schweregrad von Person zu Person – keine der beiden lässt sich auf ein festes Muster reduzieren. Nachzuvollziehen, seit wann und in welchen Situationen Schwierigkeiten auftreten, hilft dabei, die eigene Situation oder die einer nahestehenden Person zu verstehen.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    Faceblind.org — About prosopagnosia

    Ein Portal, das die Merkmale sowohl der erworbenen als auch der entwicklungsbedingten Prosopagnosie vorstellt.

  2. 02
    NHS — Face blindness (prosopagnosia)

    Erläutert die Ursachen der Prosopagnosie, unterteilt nach erworbener und entwicklungsbedingter Form.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.