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„Ich erkenne das Gesicht, aber es wirkt wie ein Doppelgänger" – das Spiegelbild der Prosopagnosie

Wussten Sie, dass es einen Zustand gibt, bei dem Menschen Gesichter klar voneinander unterscheiden können und dennoch das Gefühl haben: „Das ist nicht wirklich die Person, die ich kenne"? Beim sogenannten Capgras-Syndrom wird angenommen, dass ihm gewissermaßen der umgekehrte Mechanismus zugrunde liegt wie der Prosopagnosie, bei der gerade das Erkennen eines Gesichts die Schwierigkeit darstellt.

Was ist das Capgras-Syndrom?

Beim Capgras-Syndrom entwickeln Betroffene beim Anblick einer nahestehenden Person – etwa eines Familienmitglieds oder der Partnerin oder des Partners – die feste Überzeugung: „Diese Person sieht genau aus wie sie, aber sie ist es nicht wirklich – sie wurde durch einen Betrüger oder einen Doppelgänger ersetzt." Berichtet wird, dass dies im Zusammenhang mit Zuständen wie Schizophrenie, Demenz oder Hirnschädigungen auftreten kann.

Anders als bei der Prosopagnosie gilt das Erkennen einzelner Gesichtsmerkmale oder des Gesamteindrucks als nicht wesentlich beeinträchtigt. Die Schwierigkeit liegt vielmehr woanders: Das Gesicht wird erkannt, aber das Gefühl, „das ist wirklich diese Person", stellt sich nicht ein.

Im Vergleich zur Prosopagnosie – beide betreffen ein Auseinanderfallen von Gesicht und Gefühl

Bei der Prosopagnosie fällt es bereits schwer, visuell zu bestimmen, zu wem ein Gesicht gehört. Sobald die Person jedoch über einen anderen Hinweis identifiziert wird – etwa durch ihre Stimme oder weil sie sich vorstellt –, stellt sich das natürliche Gefühl der Vertrautheit gegenüber Familienmitgliedern oder engen Freundinnen und Freunden in der Regel wie gewohnt ein. Mit anderen Worten: Das „Erkennen eines Gesichts" und die „emotionale Verbundenheit mit dieser Person" können bis zu einem gewissen Grad unabhängig voneinander funktionieren.

Das Capgras-Syndrom wird bisweilen als die umgekehrte Kombination genau dieser Trennung erklärt. Das Gesicht wird visuell als dem der Person völlig gleichend erkannt – aber die Vertrautheitsempfindung, die normalerweise damit einhergeht, bleibt aus. Die daraus abgeleitete Überlegung lautet, dass die betroffene Person sich daraufhin eine eigene Erklärung konstruiert: „Sie sieht gleich aus, aber sie ist es nicht wirklich – es muss ein Doppelgänger sein."

Was Untersuchungen zur Hautleitfähigkeit nahelegen

Die unbewusste emotionale Reaktion, die beim Anblick eines Gesichts entsteht, lässt sich unter anderem über die Hautleitfähigkeitsreaktion untersuchen – also über die elektrischen Veränderungen der Haut, die etwa mit Schwitzen einhergehen. Bei Menschen ohne diesen Zustand gilt, dass sich die Hautleitfähigkeitsreaktion beim Anblick eines bekannten Gesichts bereits verändert, bevor die Person bewusst erkennt, um wen es sich handelt.

In Studien mit Menschen mit Capgras-Syndrom wurde berichtet, dass diese Veränderung der Hautleitfähigkeitsreaktion selbst bei bekannten Gesichtern schwächer ausfällt – während die Leistung bei Aufgaben zur Identifikation des Gesichts selbst häufig erhalten bleibt. Dies wird als Forschungsbefund angeführt, der die Sichtweise stützt, „das Gesicht wird erkannt, aber allein die emotionale Reaktion fehlt". Allerdings handelt es sich um einen Befund aus einer begrenzten Zahl von Studien, und es ist zu beachten, dass er nicht in jedem Fall und nicht in jeder Untersuchung durchgängig bestätigt worden ist.

Ein Thema, das weiterhin erforscht wird

Zum Mechanismus hinter dem Capgras-Syndrom gibt es mehrere Hypothesen, und die Forschung zur Hautleitfähigkeit ist nur eine davon. Es wird angenommen, dass die Ausprägung auch vom zugrunde liegenden Zustand abhängt – etwa von einer Schizophrenie –, und der Stand der Forschung erlaubt es noch nicht, eine einzelne Ursache eindeutig zu benennen.

Bei besorgniserregenden Symptomen zu einer Fachstelle

Das Gefühl, eine nahestehende Person könnte „ein Betrüger" sein, kann für die Betroffenen selbst wie auch für ihr Umfeld mit erheblicher Angst und Verwirrung verbunden sein. Da zugrunde liegende Zustände wie eine Schizophrenie, eine Demenz oder eine neurologische Erkrankung beteiligt sein können, wird empfohlen, nicht auf eigene Faust abzuwarten, sondern eine Fachstelle aufzusuchen – etwa in der Psychiatrie oder in der Neurologie.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    Masami Yamaguchi – researchmap (Professorin an der Chuo-Universität; Vorstandsmitglied der Japanischen Gesellschaft für Gesichtsforschung)

    Forschungsprofil einer Wissenschaftlerin mit Schwerpunkt Gesichtswahrnehmung und entwicklungsbedingte Prosopagnosie – eine Primärquelle zur Gesichtserkennung und ihrer Variationsbreite.

  2. 02
    Faceblind.org — About prosopagnosia

    Ein Portal zum Zusammenhang zwischen Gesichtserkennung und emotionaler Reaktion bei Prosopagnosie.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.