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Sie können die Figuren in Filmen oder Serien nicht auseinanderhalten? Damit sind Sie nicht allein

Haben Sie schon einmal im Kino gesessen, gemerkt „Moment, ist das dieselbe Person wie vorhin?" und dabei die Hälfte der Handlung verloren? Besonders Kostümwechsel, Zeitsprünge und Szenenwechsel können dazu führen, dass man Figuren verwechselt. Wenn Sie das Gefühl hatten, damit allein zu sein: Das sind Sie bei Weitem nicht.

„Moment, wer war das noch mal?" summiert sich

Filme und Serien fordern die Personenerkennung stärker heraus als der Alltag. Schauspielerinnen und Schauspieler, die man noch nie gesehen hat, treten nacheinander auf, tauchen in anderen Szenen mit veränderter Frisur, Kleidung oder Maske wieder auf, und die Handlung springt bisweilen zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Weil man einer Figur oft allein anhand des Gesichts folgen muss, ist dies eine Situation, in der die Schwierigkeit tendenziell höher liegt als im gewöhnlichen zwischenmenschlichen Umgang.

Direkt nach einem Kostümwechsel, nach einer Szene, die den Verlauf der Zeit markiert (eine Rückblende oder ein Zeitsprung), oder wenn Figuren mit ähnlicher Frisur oder Statur in derselben Szene auftreten – das sind Momente, in denen sich leicht aus den Augen verlieren lässt, „wer das noch mal war", und mit ihr der rote Faden der Geschichte. Weil alle anderen ringsum den Film mühelos zu genießen scheinen, entsteht in solchen Situationen zusätzlich leicht das Gefühl, man selbst käme als Einzige oder Einziger nicht mit.

Warum es gerade bei Film und Fernsehen so leicht zu Verwechslungen kommt

Im Alltag lassen sich Anhaltspunkte jenseits des Gesichts sammeln – Stimme, Sprechweise, vertraute Kleidung, der Ort, an dem sich jemand üblicherweise aufhält –, um zu erkennen, mit wem man es zu tun hat. Auf der Leinwand hingegen kann es die Orientierung allein an der Stimme erschweren, dass mehrere Darstellerinnen und Darsteller ähnliche Stimmlagen haben oder dass eine Synchronisation die stimmlichen Anhaltspunkte abschwächt. Hinzu kommt, dass sich Hintergrund und Situation mit jedem Szenenwechsel ändern, sodass auch der Kontexthinweis „das ist die Person, die vorhin an derselben Stelle war" schwerer nutzbar wird.

Bei Darstellerinnen und Darstellern, die man zum ersten Mal sieht, beginnt man zudem bei null angesammelter Vertrautheit. Anders als beim allmählichen Wiedererkennen eines Gesichts über wiederholte Begegnungen im Alltag muss man hier innerhalb der begrenzten Lauf- oder Sendezeit eine ganze Reihe neuer Gesichter behalten – eine Anforderung, die die Belastung deutlich erhöhen dürfte.

An alle, die dachten, sie seien die Einzigen

Figuren in einem Film oder einer Serie zu verwechseln, ist eine Erfahrung, die die meisten Menschen bis zu einem gewissen Grad kennen. Wenn es allerdings so häufig oder so ausgeprägt vorkommt, dass Sie den Faden der Handlung verlieren, oder wenn es Ihnen auch im Alltag schwerfällt, sich Gesichter zu merken, kann eine Prosopagnosie oder eine ähnliche Schwierigkeit bei der Gesichtserkennung daran beteiligt sein.

Manche Menschen beginnen, Filme und Serien ganz zu meiden, weil sie das Gefühl haben: „Alle anderen kommen problemlos mit, nur ich nicht." Doch damit hat oft weniger die Aufmerksamkeit oder das Verständnis zu tun als vielmehr individuelle Unterschiede darin, wie das Gehirn Gesichter verarbeitet, um Personen zu identifizieren. Bevor Sie eine solche Schwierigkeit Ihrer Persönlichkeit oder mangelnder Anstrengung zuschreiben, kann schon das Wissen entlasten, dass die Fähigkeit zur Gesichtserkennung von Mensch zu Mensch stark schwankt.

Hilfreiche Kniffe beim Schauen

Sich beim Schauen Notizen zu Kleidung oder Frisur der Figuren machen, Inhalte mit eingeblendeten Namen wählen, zwischendurch pausieren, um sich zu vergewissern, wer wer ist, oder vorab eine Inhaltsangabe oder ein Figurenschaubild ansehen – all das kann helfen, Verwechslungen zu verringern.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    NHS — Face blindness (prosopagnosia)

    Behandelt die Schwierigkeit, Figuren in Filmen und Serien auseinanderzuhalten, als Symptom der Prosopagnosie.

  2. 02
    Prosopagnosia Research (Bournemouth University, Prof. Sarah Bate)

    Stellt Forschung zu Schwierigkeiten der Gesichtserkennung im Alltag und bei Bildschirmmedien vor.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.