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Prosopagnosie im Unterschied zu Entwicklungsstörungen, ASS und ADHS

Prosopagnosie, ASS und ADHS sind nicht dasselbe. Schwierigkeiten, sich Gesichter oder Menschen zu merken, können in allen drei Fällen ähnlich aussehen, doch die Gründe dafür müssen getrennt betrachtet werden.

Worin die Schwierigkeit bei Prosopagnosie besteht

Im Zentrum der Prosopagnosie steht eine deutliche Schwierigkeit, einzelne Gesichter voneinander zu unterscheiden, die sich weder durch die Sehschärfe noch durch die allgemeine Intelligenz erklären lässt. Die entwicklungsbedingte Prosopagnosie besteht seit der Kindheit; das Wort „entwicklungsbedingt" bedeutet dabei jedoch nicht, dass sie zur selben diagnostischen Gruppe wie ASS oder ADHS gehört. Es beschreibt lediglich den Verlauf: dass die Schwierigkeit mit der Gesichtserkennung im Zuge der Hirnentwicklung entstanden ist.

Unterschiede und Überschneidungen mit ASS

Bei ASS stehen Besonderheiten der sozialen Kommunikation sowie des Verhaltens und der Interessen im Mittelpunkt der Diagnose. Manche Betroffene haben auch Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit für Gesichter, mit Blickkontakt, dem Ablesen von Mimik oder dem Gesichtsgedächtnis, doch die Fähigkeit zur Gesichtserkennung ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Die Forschung geht davon aus, dass die bei ASS beobachteten Besonderheiten der Gesichtsverarbeitung und die spezifische Störung der Gesichtsunterscheidung bei entwicklungsbedingter Prosopagnosie zumindest nicht auf vollständig demselben Mechanismus beruhen. Eine entwicklungsbedingte Prosopagnosie tritt auch bei Menschen ohne ASS auf.

Unterschiede und Überschneidungen mit ADHS

Bei ADHS stehen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität als prägende Alltagsmerkmale im Vordergrund. Dass man sich Menschen schlecht merken kann, kann hier daran liegen, dass man das Gesicht des Gegenübers durch Unaufmerksamkeit nicht genau genug angesehen hat, dass die Aufmerksamkeit beim Nennen des Namens gerade woanders war oder dass sich die Information schlecht im Arbeitsgedächtnis halten ließ.

Bei Prosopagnosie liegt der Unterschied darin, dass es selbst beim genauen Hinsehen schwerfällt, die Merkmale eines Gesichts zuverlässig als eine bestimmte Person zu identifizieren. Beides kann gemeinsam auftreten, doch es gibt keine ausreichende Grundlage für die Aussage, dass ADHS eine Prosopagnosie verursacht oder dass die meisten Menschen mit Prosopagnosie auch ADHS haben.

Halten Sie getrennt fest, worin die Schwierigkeit besteht

Es hilft zu unterscheiden, ob Sie beim Anblick eines Gesichts nicht wissen, ob Sie die Person kennen, ob Sie sie zwar als bekannt erkennen, Ihnen aber nur der Name nicht einfällt, oder ob Sie Ihre Aufmerksamkeit von vornherein gar nicht auf Gesicht und Namen gerichtet haben. Manche erkennen das Gesicht, tun sich aber schwer damit, Mimik und Absichten zu lesen; andere können jemanden zuverlässig einordnen, sobald ein Hinweis wie der Ort oder die Stimme hinzukommt. Je nachdem, auf welcher Stufe die Schwierigkeit auftritt, ergeben sich unterschiedliche Ansatzpunkte für den Umgang damit.

Legen Sie sich nicht auf ein einziges Etikett fest

Ähnliche Erfahrungen haben nicht zwangsläufig dieselbe Ursache. Setzen Sie ASS, ADHS und Prosopagnosie nicht aufgrund einer Selbsteinschätzung gegenseitig gleich – herauszuarbeiten, was genau in welchen Situationen schwerfällt, führt zu der Unterstützung, die tatsächlich passt.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    Konishi (2016) — Gesichtserkennung bei Entwicklungsstörungen

    Ein Überblicksartikel zur Gesichtserkennung bei angeborener Prosopagnosie und ASS.

  2. 02
    Dalrymple et al. (2014) — “A room full of strangers every day”

    Ein Überblick über die entwicklungsbedingte Prosopagnosie bei Kindern und ihre Abgrenzung zu anderen Entwicklungsbedingungen.

  3. 03
    Hedley et al. (2014) — Autism traits and developmental prosopagnosia

    Untersucht den Zusammenhang zwischen autistischen Merkmalen und entwicklungsbedingter Prosopagnosie.

  4. 04
    Svart et al. (2022) — Comorbidity in developmental prosopagnosia

    Eine Erhebung selbstberichteter Begleitzustände bei entwicklungsbedingter Prosopagnosie, einschließlich einer Diskussion der Grenzen der Studie.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.