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Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte – die Geschichte eines Musikers

Einen Stuhl anzusehen und erst nach dem Abzählen seiner Bestandteile – zuerst sind da Beine, dann eine Sitzfläche … – darauf zu schließen, dass es sich um einen Stuhl handelt: ein solcher Fall wird in einem Buch des Neurologen Oliver Sacks beschrieben. Die Unfähigkeit, ein Gesicht oder einen Gegenstand als Ganzes wahrzunehmen, eröffnet eine Perspektive, die auch für das Verständnis von Prosopagnosie aufschlussreich ist.

Eine kurze Einordnung des Buches „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“

„Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ (Originaltitel: The Man Who Mistook His Wife for a Hat) ist ein 1985 erschienenes Buch des Neurologen Oliver Sacks, das Essays über Patientinnen und Patienten versammelt, denen er in seiner eigenen ärztlichen Praxis begegnet ist. Der titelgebende Essay schildert den Fall eines Musikers, der als „Dr. P.“ bezeichnet wird.

Dieser Artikel zitiert weder die Erzählung von Sacks noch die Einzelheiten der Geschichte wörtlich. Er beschränkt sich darauf, was der in diesem Buch geschilderte Fall zum Verständnis von Prosopagnosie und visueller Agnosie beitragen kann. Es handelt sich um einen Kommentar zum Buch, der die Darstellung des Autors zusammenfasst und vorstellt.

Was der Fall von Dr. P. veranschaulichte

Dr. P., wie Sacks ihn im Buch beschreibt, war ein langjährig tätiger Musiker, dessen Sehvermögen selbst den Angaben zufolge nicht wesentlich beeinträchtigt war, der jedoch die Gesichter nahestehender Menschen und alltägliche Gegenstände nicht mehr auf einen Blick erkennen konnte. Wie schon der Titel andeutet, gehört auch die Episode, in der er den Kopf seiner Frau für einen Hut hält, zu diesem Fall.

Der Darstellung des Buches zufolge fiel es Dr. P. schwer, Gegenstände oder Gesichter auf einmal als Ganzes wahrzunehmen. Stattdessen erschloss er sich durch Schlussfolgern aus einzelnen Merkmalen – der Lage von Augen und Nase, einem Umriss –, was etwas war oder wessen Gesicht er vor sich hatte. Der Fall wird im Buch als einer geschildert, in dem die einzelnen Elemente durchaus zu sehen waren, die Bedeutung aber über bewusstes, verstandesmäßiges Schließen aus dem Sichtbaren ergänzt wurde.

Ein vom Autor beschriebener Patientenfall

Sacks stellt Dr. P. im Buch als den Fall eines Patienten dar, dem er in seiner eigenen klinischen Praxis tatsächlich begegnet ist. Da es sich um die Form des medizinischen Essays handelt, kann es sein, dass die Gestaltung und Gewichtung des Autors manche Einzelheiten mitgeprägt haben – Sacks selbst ordnet die Schilderung jedoch als klinischen Fall ein.

Dieser Artikel versucht nicht zu überprüfen, ob Dr. P. in der beschriebenen Form existierte oder wie medizinisch genau jede Einzelheit der Symptome ist. Er greift rein kommentierend auf, was der in diesem weit gelesenen Buch geschilderte Fall über die Wahrnehmung von Gesichtern und Gegenständen nahelegt.

Was das über Prosopagnosie und visuelle Agnosie nahelegt

Prosopagnosie bezeichnet eine Schwierigkeit, speziell Gesichter zu identifizieren. Was das Buch im Fall von Dr. P. schildert, ist umfassender: eine visuelle Agnosie – die Unfähigkeit zu erkennen, was etwas Sichtbares eigentlich ist –, die über Gesichter hinaus auch Gegenstände betrifft. Reichweite und Ausprägung unterscheiden sich zwar, doch der Gedanke, „etwas zu sehen und es dennoch nicht als Gegenstand mit einheitlicher Bedeutung wahrnehmen zu können“, ist auch für das Verständnis von Prosopagnosie ein nützlicher Bezugspunkt.

Viele Menschen mit Prosopagnosie sehen die einzelnen Teile eines Gesichts – Augen, Nase, Umriss – vollkommen deutlich, und ihr Sehvermögen selbst gilt als unbeeinträchtigt. Und dennoch bleibt es eigentümlich schwierig, ein Gesicht als eine einzige Ganzheit wahrzunehmen und zu bestimmen, wem es gehört. Wie der Fall von Dr. P. nahelegt, kann es einen Mechanismus geben, der eine solche Schwierigkeit durch Schlussfolgern aus einzelnen Elementen ausgleicht – und das überschneidet sich damit, wie Menschen, denen das Erkennen von Gesichtern schwerfällt, oft aus Merkmalen wie Stimme, Umriss und Frisur zusammensetzen, wer ihnen gegenübersteht.

Eine Episode aus einem Buch ist nicht dasselbe wie eine medizinische Diagnose

Was dieser Artikel vorstellt, ist streng genommen ein Fall, wie ihn der Autor in einem Buch beschrieben hat. Eine tatsächliche Diagnose von Prosopagnosie oder visueller Agnosie erfolgt auf Grundlage fachlicher Anamnesegespräche und Untersuchungen – die Schilderung in einem Essay allein reicht nicht aus, um den eigenen Zustand oder den einer nahestehenden Person zu beurteilen.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    Faceblind.org — About prosopagnosia

    Ein Portal über die Definition von Prosopagnosie und darüber, wie Menschen anhand anderer Merkmale als dem Gesicht erkannt werden.

  2. 02
    Prosopagnosia: face blindness and its association with neurological disorders (PMC)

    Ein Übersichtsartikel, der das Verhältnis zwischen Prosopagnosie und der umfassenderen Kategorie der visuellen Agnosie zusammenfasst.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.