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Wie „Die Tagebücher der Apothekerin“ Prosopagnosie in der Figur Lakan zeichnet

Eine Figur, die Gesichter behandelt wie Figuren auf einem Shogi-Brett und sie durch andere Informationen ersetzt – die Rolle einer Person, ihre Fähigkeiten –, kommt manchen Leserinnen und Lesern womöglich bekannt vor. Die Art, wie die Figur Lakan aus „Die Tagebücher der Apothekerin“ Menschen wahrnimmt, überschneidet sich in Teilen mit Strategien, die Menschen mit Prosopagnosie tatsächlich anwenden.

Eine kurze Einordnung der Figur Lakan

„Die Tagebücher der Apothekerin“ ist eine beliebte, am Kaiserhof angesiedelte Reihe, die sowohl als Anime als auch als Manga erschienen ist. Die Figur Lakan wird als jemand gezeichnet, dem es schwerfällt, sich Gesichter zu merken, und der Menschen stattdessen an anderen Merkmalen erkennt: an ihrer Rolle, ihren Fähigkeiten, ihrer Stellung.

Dieser Artikel geht weder auf die Handlung noch auf weitere Einzelheiten der erzählten Welt ein. Er beschränkt sich auf diese eine Darstellung – Menschen an anderen Merkmalen als dem Gesicht zu erkennen – und darauf, was sie zum Verständnis von Prosopagnosie beitragen kann. Es handelt sich um einen Kommentar zu einer fiktiven Figur, nicht um den Bericht eines tatsächlichen klinischen Falls.

„Menschen wie Shogi-Figuren sehen“ – ein erzählerisches Mittel

Dass Lakan Menschen über Rolle und Fähigkeit liest und dies mit Shogi-Figuren verglichen wird, ist erzählerisch zugespitzt und stilisiert. Dennoch überschneidet sich der zugrunde liegende Gedanke – die Frage „Wer ist das?“ über einen anderen Rahmen zu ordnen, etwa über Funktion oder Eigenschaften einer Person, anstatt über die visuelle Information des Gesichts – mit Strategien, die Menschen mit Prosopagnosie tatsächlich einsetzen.

Es bleibt selbstverständlich eine fiktive Darstellung. Sie bedeutet weder, dass alle Menschen mit Prosopagnosie andere auf diese Weise wahrnehmen, noch dass es sich um eine klinisch belegte Bewältigungsmethode handelt. Dennoch lässt sie sich als Beispiel dafür lesen, wie eine Geschichte auf zugängliche Weise den Gedanken vermittelt, Menschen über andere Informationen als das Gesicht zu identifizieren.

Wo sich das mit realen kompensatorischen Strategien überschneidet

Es ist bekannt, dass Menschen mit Prosopagnosie andere nicht über das Gesicht selbst erkennen, sondern indem sie Merkmale jenseits davon kombinieren: Stimme, Sprechweise, Gang, Statur, Frisur, mitgeführte Gegenstände oder auch den Ort und die Rolle, die jemand üblicherweise einnimmt. Man nennt dies kompensatorische Strategien – Wege, die Schwierigkeiten beim Erkennen von Gesichtern über andere Arten von Information auszugleichen.

Dass Lakan Menschen über Rolle und Fähigkeit erfasst, lässt sich als zugespitzte, leicht fassbare Variante genau dieser Strategie lesen, andere Merkmale an die Stelle des Gesichts treten zu lassen. Es ist zwar fiktionale Übertreibung, doch der Grundgedanke – dass es Wege gibt, Menschen zu erkennen, ohne sich allein auf das Gesicht zu verlassen – weist in dieselbe Richtung wie die Strategien, die Betroffene tatsächlich nutzen.

Fiktion und reale Belastung auseinanderhalten

Figurenzeichnungen in der Fiktion leben von Zuspitzung und Vereinfachung, damit die Geschichte trägt. Auch Lakans Darstellung gibt die Schwierigkeiten von Menschen mit Prosopagnosie nicht getreu wieder – sie bleibt in erster Linie eine literarische Figur.

Dennoch kann eine solche Darstellung ein Anstoß sein, um zu verstehen, dass „sich Gesichter nicht merken können“ weder schlichte Unaufmerksamkeit noch mangelnde Zuwendung bedeutet, sondern mit echten Strategien einhergehen kann, über andere Merkmale mit Menschen in Beziehung zu treten. Wenn Sie die Reihe mögen und zugleich mehr über Prosopagnosie selbst erfahren möchten, lohnt es sich, ergänzend fachliche Informationsquellen heranzuziehen.

Quellen und weiterführende Literatur

Die unten aufgeführten Autorinnen, Autoren und Organisationen werden als Quellen für diesen Inhalt angeführt. Das bedeutet nicht, dass sie diesen Artikel geprüft oder befürwortet haben.

  1. 01
    Faceblind.org — About prosopagnosia

    Ein Portal über die kompensatorischen Strategien, die Menschen mit Prosopagnosie auf Basis anderer Merkmale als dem Gesicht einsetzen.

  2. 02
    Masami Yamaguchi — researchmap (Professorin an der Chuo-Universität, Vorstandsmitglied der Japanischen Gesellschaft für Gesichtsforschung)

    Forschungsprofil einer Wissenschaftlerin mit Schwerpunkt Gesichtswahrnehmung und entwicklungsbedingte Prosopagnosie – eine Primärquelle zur Verarbeitung nicht-gesichtsbezogener Information.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung. Die vollständige Literaturliste der gesamten Website finden Sie auf der Literaturseite.